Getriebeöl kaufen

Getriebeöl ist nicht eine Sorte, sondern drei verschiedene Aufgaben: Schaltgetriebe, Achsantrieb und Automatikgetriebe verlangen jeweils anderes Öl. Verwechseln kostet hier mehr als beim Motoröl, weil ein falsches Additivpaket Synchronringe oder Wandler angreift und ein Getriebeschaden nicht in der Größenordnung einer Ölfüllung liegt.

  • Schaltgetriebe: 75W-80, 75W-85 oder 75W-90 mit **API GL-4**
  • Achsantriebe: 75W-90, 80W-90, 85W-90 mit **API GL-5**
  • Automatikgetriebe: ATF nach Herstellervorgabe, nicht nach Viskosität
  • ZF-Freigaben (TE-ML) für Nutzfahrzeug- und Achsgetriebe

GL-4 oder GL-5: der Unterschied, der Getriebe kostet

Beide Klassen werden in derselben Viskosität verkauft, und genau das macht die Verwechslung so leicht.

**API GL-4** ist für Schaltgetriebe mit Synchronringen aus Buntmetall - Messing, Bronze. Sein Gehalt an schwefelhaltigen Hochdruckadditiven ist so bemessen, dass er diese Werkstoffe nicht angreift.

**API GL-5** ist für Hypoidverzahnungen im Achsantrieb, mit deutlich höherem Additivanteil, weil die Zahnflanken dort unter viel höherem Flächendruck arbeiten. In einem Schaltgetriebe können diese Additive die Synchronringe über die Zeit angreifen; das Ergebnis ist ein Getriebe, das kalt nicht mehr saubersschaltet.

Manche Öle sind für beides freigegeben und tragen dann GL-4/GL-5. Verlangt Ihre Wartungsvorschrift GL-4, ist ein reines GL-5 kein Ersatz, auch wenn die Zahlen auf der Flasche gleich aussehen.

Automatikgetriebe: ATF gehört zum Getriebe, nicht zur Viskosität

Bei Automatikgetrieben und Doppelkupplungsgetrieben zählt allein die Freigabe des Getriebeherstellers. Ein ATF ist kein Schmiermittel im gewöhnlichen Sinn: es überträgt im Wandler Kraft, betätigt hydraulisch die Kupplungspakete und muss dabei ein exakt definiertes Reibverhalten haben. Zwei ATF derselben Viskosität mit unterschiedlichem Reibwert führen zu ruckenden Schaltvorgängen oder zu Verschleiß an den Lamellen.

Deshalb ist "Multi Vehicle ATF" mit Vorsicht zu lesen: es deckt eine Liste von Freigaben ab, und Ihre muss auf dieser Liste stehen. Steht sie nicht darauf, ist es das falsche Öl, unabhängig davon, wie viele andere darauf stehen.

Was die Viskositätszahlen hier bedeuten

Die SAE-Skala für Getriebeöle ist eine andere als für Motoröle. Ein 75W-90 ist nicht dicker als ein 5W-40 - die Zahlen sind nicht vergleichbar, weil die Messpunkte anders liegen. Innerhalb der Getriebeölskala gilt dieselbe Logik: die Zahl vor dem W beschreibt das Kaltverhalten, die dahinter die Viskosität bei Betriebstemperatur.

Beim Schaltgetriebe ist das Kaltverhalten das spürbarste Merkmal: ein zähes Öl macht sich morgens beim ersten und zweiten Gang bemerkbar. Deshalb schreiben viele Hersteller moderner Getriebe 75W-80 oder 75W-85 vor, wo früher ein 90er stand.

ZF TE-ML und andere Herstellerfreigaben

Bei Nutzfahrzeug-, Achs- und Automatikgetrieben kommen die Freigabelisten der Getriebehersteller hinzu, bei uns am häufigsten ZF TE-ML in ihren verschiedenen Listen (04D, 05A, 14A, 17B, 21A). Jede Liste steht für einen Getriebetyp, nicht für eine Qualitätsstufe - TE-ML 17B ist nicht "besser" als 05A, sondern für andere Getriebe.

Bei gewerblicher Nutzung sind diese Freigaben Bedingung und nicht Empfehlung: Garantie- und Wartungsvereinbarungen für Nutzfahrzeuge nennen sie ausdrücklich.

Lebensdauerfüllung, und wann sie das nicht ist

Viele Pkw-Hersteller deklarieren die Getriebefüllung als Lebensdauerfüllung. Das gilt für den unterstellten Normalbetrieb. Bei Anhängerlast, überwiegend Kurzstrecke, Bergstrecken oder sportlicher Fahrweise ist ein Wechsel nach 100 000 bis 150 000 Kilometern eine übliche und sinnvolle Vorsichtsmaßnahme - Getriebeöl altert und nimmt Metallabrieb auf, auch wenn kein Intervall dafür vorgesehen ist.

Bei Automatikgetrieben ist zusätzlich zu klären, ob nur abgelassen oder gespült wird und ob ein Filter im Ölsumpf mitgetauscht werden muss; bei vielen Wandlerautomaten ist er Teil der Ölwanne.

Füllmengen liegen bei Pkw-Schaltgetrieben meist zwischen 1,5 und 3 Litern, bei Achsantrieben zwischen 0,8 und 2 Litern, bei Automatikgetrieben je nach Spülverfahren deutlich höher. Das Altöl nehmen wir in der gekauften Menge zurück (Altölentsorgung) - Getriebeöl ist ausdrücklich eingeschlossen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen GL-4 und GL-5?

GL-5 enthält deutlich mehr schwefelhaltige Hochdruckadditive und ist für Hypoidachsen gedacht, GL-4 ist auf Schaltgetriebe mit Buntmetall-Synchronringen abgestimmt. GL-5 in einem GL-4-Getriebe kann die Synchronringe über die Zeit angreifen. Beide gibt es in derselben Viskosität, achten Sie also auf die Klasse, nicht auf die Zahl.

Kann ich Schaltgetriebeöl im Automatikgetriebe verwenden?

Nein. Ein ATF überträgt im Wandler Kraft und steuert hydraulisch die Kupplungspakete, es braucht ein exakt definiertes Reibverhalten. Maßgeblich ist allein die Freigabe des Getriebeherstellers, und "Multi Vehicle" hilft nur, wenn Ihre Freigabe auf der Liste steht.

Muss Getriebeöl überhaupt gewechselt werden?

Viele Hersteller sehen eine Lebensdauerfüllung vor, gerechnet für Normalbetrieb. Bei Anhängerbetrieb, Kurzstrecke, hoher Laufleistung oder schwergängiger Schaltung ist ein Wechsel dennoch sinnvoll: das Öl altert und trägt Abrieb, auch ohne vorgesehenes Intervall.

Woran erkenne ich das richtige Getriebeöl für mein Auto?

An der Wartungsvorschrift: dort steht die API-Klasse und häufig eine markeneigene Freigabenummer, die auf dem Gebinde wiederzufinden sein muss. Über den Ölfinder sehen Sie die freigegebenen Produkte für Ihre Motorisierung, Getriebeöl eingeschlossen.

Brauche ich Getriebeöl mit LS-Zusatz?

Nur bei einem Selbstsperrdifferenzial. Ohne Limited-Slip-Additiv rupft die Sperre und wird laut; umgekehrt ist ein LS-Öl in einem offenen Differenzial unproblematisch.