Herstellerfreigaben und Spezifikationen lesen
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Auf einem Kanister Motoröl stehen bis zu vier Arten von Angaben, und nur eine davon ist für Ihr Fahrzeug verbindlich: die Herstellerfreigabe, die im Bordbuch verlangt wird. Die SAE-Klasse beschreibt nur die Viskosität, API und ACEA beschreiben ein Leistungsniveau, und die Freigabe eines Fahrzeugherstellers sagt, dass genau dieses Produkt dessen eigene Motorentests bestanden hat. Wer in dieser Reihenfolge liest, findet das richtige Öl in einer Minute.
SAE: die Viskosität, keine Qualität
5W-30 ist eine Viskositätsklasse nach SAE. Die Zahl vor dem W steht für das Kälteverhalten: je kleiner, desto fließfähiger ist das Öl beim Kaltstart und desto schneller liegt Öldruck an allen Schmierstellen an. Die Zahl danach beschreibt die Zähigkeit bei Betriebstemperatur. Die Klasse sagt nichts darüber, wie gut ein Öl reinigt, wie lange es hält oder ob es für einen Partikelfilter geeignet ist. Zwei Öle in 5W-30 können für völlig verschiedene Motoren gedacht sein.
API: das amerikanische Leistungsniveau
Die API-Klassen bestehen aus zwei Buchstaben. S steht für Ottomotoren, C für Dieselmotoren, überwiegend im Nutzfahrzeugbereich. Der zweite Buchstabe läuft alphabetisch weiter, je neuer die Klasse, desto höher die Anforderungen: aus SN wurde SP, im Nutzfahrzeugbereich gelten Klassen wie CK-4. Neuere Klassen decken die älteren in der Regel ab, weshalb API in Europa meist als Zusatzangabe erscheint. Öle mit der aktuellen Ottomotoren-Klasse finden Sie unter API SP.
ACEA: der europäische Standard
Die ACEA-Sequenzen sind das, worauf sich europäische Hersteller beziehen. Sie teilen sich in drei Gruppen:
- A/B für Otto- und Dieselmotoren ohne besondere Anforderungen an die Abgasnachbehandlung, etwa A3/B4 für Motoren, die ein Öl mit hoher Scherstabilität verlangen.
- C für Fahrzeuge mit Katalysator und Partikelfilter. Diese Klassen begrenzen Asche, Phosphor und Schwefel und unterscheiden sich zusätzlich in der HTHS-Viskosität; am häufigsten ist ACEA C3.
- E für Nutzfahrzeug-Dieselmotoren mit ihren eigenen, deutlich längeren Intervallen.
Die ACEA-Klasse ist eine Mindestanforderung, kein Ersatz für eine Freigabe. Verlangt Ihr Fahrzeug eine Freigabe, reicht die passende ACEA-Klasse allein nicht aus.
Freigabe oder nur erfüllt: der wichtige Unterschied
Auf Kanistern stehen zwei sehr ähnlich aussehende Formulierungen. Eine echte Freigabe nennt den Fahrzeughersteller und dessen Prüfnummer, das Produkt ist bei diesem Hersteller gelistet und hat dessen Motorentests durchlaufen. Formulierungen wie erfüllt die Anforderungen von oder empfohlen für sind dagegen Aussagen des Ölherstellers über sein eigenes Produkt, ohne fremde Prüfung. Technisch kann ein solches Öl passen; im Garantiefall ist die Freigabe aber das, was zählt, und bei Leasingrückgaben und Flottenaudits wird sie geprüft.
Die Freigaben, die in Deutschland zählen
- VW: 502 00 und 505 00 für feste Intervalle, 504 00 und 507 00 für den Longlife-Service, 508 00 und 509 00 für die besonders dünnflüssigen Öle neuerer Motoren. Diese Nummern sind nicht gegeneinander austauschbar.
- Mercedes-Benz: die Blattnummern der MB-Freigaben, etwa 229.51 oder 229.52 für Fahrzeuge mit Partikelfilter und die älteren 229.3 und 229.5 für Motoren ohne.
- BMW: Longlife-04 als die verbreitetste Vorgabe, daneben Longlife-01 für ältere Fahrzeuge und Longlife-17 FE+ für neuere.
- Weitere Hersteller mit eigenen Nummern: Opel und GM mit dexos, Ford mit den WSS-Spezifikationen, PSA mit den B71-Nummern, Fiat mit 9.55535 und der angehängten Kennung, Renault mit den RN-Nummern, Porsche mit den A- und C-Freigaben.
So lesen Sie einen Kanister in der richtigen Reihenfolge
- Im Bordbuch oder im Serviceplan nachschlagen, welche Freigabe und welche Viskosität für Ihren Motor vorgeschrieben sind. Bei zwei Motorisierungen derselben Baureihe können die Angaben unterschiedlich sein.
- Auf der Kanisterrückseite prüfen, ob genau diese Freigabe aufgeführt ist, und zwar als Freigabe und nicht als Empfehlung.
- Erst dann die Viskositätsklasse vergleichen, danach Gebindegröße, Marke und Preis.
- Im Zweifel das technische Datenblatt des Öls heranziehen. Dort stehen die Freigaben vollständig und mit Stand der Zulassung.
Abkürzung über das Fahrzeug
Wer sich das Nachschlagen sparen will, geht den umgekehrten Weg: Im Ölfinder Marke, Modell und Motorisierung auswählen, und die Liste zeigt nur noch Öle, die für dieses Fahrzeug freigegeben sind. Das gesamte Sortiment mit allen Filtern nach Freigabe und Viskosität steht in der Motoröl-Kategorie. Was die einzelnen Ölarten unterscheidet, erklärt der Artikel Mineralisch, teilsynthetisch, vollsynthetisch.
Häufige Fragen
Reicht die richtige Viskosität aus?
Nein. Die SAE-Klasse beschreibt nur das Fließverhalten. Ob ein Öl in Ihren Motor gehört, entscheidet die Freigabe, und zwei Öle derselben Viskositätsklasse können für ganz unterschiedliche Motoren bestimmt sein.
Was ist der Unterschied zwischen einer Freigabe und der Angabe erfüllt die Anforderungen?
Eine Freigabe ist beim Fahrzeughersteller geprüft und gelistet. Erfüllt die Anforderungen ist eine Eigenaussage des Ölherstellers ohne dessen Prüfung, die im Garantiefall nicht dasselbe Gewicht hat.
Kann ich VW 502 00 durch VW 504 00 ersetzen?
Nicht automatisch. Die Nummern stehen für unterschiedliche Konzepte und Additivpakete. Maßgeblich ist die im Bordbuch genannte Nummer, nicht die höhere Zahl.
Wo finde ich die vollständige Freigabeliste eines Öls?
Im technischen Datenblatt des Herstellers. Der Kanister nennt oft nur die wichtigsten Freigaben, das Datenblatt führt alle mit Stand der Zulassung auf.
Gelten ältere Freigaben weiter, wenn es neuere gibt?
Für Ihr Fahrzeug gilt, was im Wartungsplan steht. Neuere Freigaben lösen ältere nur dann ab, wenn der Fahrzeughersteller das ausdrücklich so angibt.
Welches Öl passt zu Ihrem Auto?
Der Ölfinder filtert den Katalog auf die Öle, die für Ihr Modell freigegeben sind - Marke, Modell, Motor auswählen, fertig.
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